Markisenmotor vs. Rolladenmotor – Was ist der Unterschied?
Auf den ersten Blick sehen Markisenmotore und Rollladenmotore ähnlich aus – beides sind Rohrmotore, die in einer Welle montiert werden. Doch die Anforderungen unterscheiden sich grundlegend, und nicht jeder Motor ist für jede Anwendung geeignet.
Mechanische Rohrmotore: Universell einsetzbar?
Ein mechanischer Rohrmotor mit mechanischer Endabschaltung kann grundsätzlich sowohl für Rollläden als auch für Markisen verwendet werden. Der Grund: Die Endlagen werden über Einstellräder am Motor fest definiert – der Motor fährt immer exakt bis zu diesem Punkt und stoppt dann.
Wichtige Einschränkung bei Markisen: Mechanische Motore eignen sich nur für offene Gelenkarm-Markisen ohne Schutzdach oder Kassette. Bei diesen Markisen ist der Endpunkt fest definiert und das Tuch muss nicht in ein Gehäuse einfahren.
Warum Kassettenmarkisen elektronische Motore brauchen
Bei Markisen mit Schutzdach (Halbkassetten) und Kassettenmarkisen sieht die Situation anders aus. Hier muss der Motor das Tuch so weit einfahren, dass die Kassette vollständig geschlossen wird. Das Problem: Markisentuch längt sich im Laufe der Zeit durch UV-Strahlung und mechanische Belastung.
Ein mechanischer Motor würde immer an derselben Position stoppen – auch wenn das Tuch sich gelängt hat und die Kassette nicht mehr richtig schließt. Ein elektronischer Markisenmotor hingegen fährt auf Drehmoment ein: Er erkennt den Widerstand beim Einfahren und stoppt erst, wenn die Kassette dicht ist. So wird die Kassette auch nach Jahren noch zuverlässig geschlossen.
Spezielle Funktionen elektronischer Markisenmotore
- Entlastungsfunktion: Nachdem das Tuch eingefahren ist, fährt der Motor minimal zurück, um die Spannung vom Tuch zu nehmen. So steht das Tuch nicht dauerhaft unter Zug.
- Tuchspannung beim Ausfahren: Manche Motore fahren am äußeren Endpunkt kurz ein Stück zurück und dann wieder aus, um das Tuch optimal zu spannen.
- Sanftanschlag: Der Motor bremst sanft ab, bevor die Endlage erreicht wird – das schont Tuch und Gelenkarme.
Warum elektronische Rollladenmotore nicht für Markisen geeignet sind
Auch wenn beide Motortypen "elektronisch" sind, unterscheidet sich die Software grundlegend. Elektronische Rollladenmotore sind für völlig andere Anforderungen programmiert:
- Festfrierschutz: Der Motor erkennt, wenn der Panzer im Winter festgefroren ist, und verhindert Beschädigungen. Bei Markisen unnötig und störend.
- Hinderniserkennung: Der Motor stoppt, wenn ein Hindernis den Panzer blockiert. Bei Markisen würde diese Funktion fälschlicherweise auslösen, da kein fester Anschlag vorhanden ist.
- Insektenschutz-Erkennung: Manche Rollladenmotore erkennen, wenn ein Insektenschutzgitter im Weg ist. Für Markisen irrelevant.
Ein elektronischer Rolladenmotor würde bei einer Markise nicht korrekt funktionieren – die Endlagenerkennung und die Sonderfunktionen sind auf das Verhalten eines Rollladenpanzers ausgelegt, nicht auf ein gespanntes Markisentuch.
Übersicht: Welcher Motor für welche Anwendung?
| Motortyp | Rollladen | Offene Markise | Halbkassette / Kassette |
|---|---|---|---|
| Mechanischer Rohrmotor | ✓ geeignet | ✓ geeignet | ✗ nicht geeignet |
| Elektronischer Rolladenmotor | ✓ geeignet | ✗ nicht geeignet | ✗ nicht geeignet |
| Elektronischer Markisenmotor | ✗ nicht geeignet | ✓ geeignet | ✓ geeignet |
Fazit
Die Wahl des richtigen Motors hängt von Ihrer Markisenart ab. Für offene Gelenkarm-Markisen können Sie einen mechanischen Rohrmotor verwenden. Für Halbkassetten und Kassettenmarkisen ist ein elektronischer Markisenmotor mit Drehmomentabschaltung und Entlastungsfunktion erforderlich. Verwenden Sie niemals einen elektronischen Rolladenmotor für Markisen – die Software ist für völlig andere Anforderungen ausgelegt.